Der effizienteste Weg, neue Gewohnheiten zu erlernen

Forscher der Universität Oxford haben vor etwa zehn Jahren eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Beim Vergleich der Gehirne von Neugeborenen und Erwachsenen hat sich herausgestellt, dass der durchschnittliche Erwachsene über 41 Prozent weniger Neuronen als ein Neugeborenes verfügt.


Auf den ersten Blick machte dieses Ergebnis keinen Sinn. Wenn Babys mehr Neuronen haben, warum sind Erwachsene dann klüger und geschickter? Und was hat dies mit dem Erlernen neuer Gewohnheiten und der Beherrschung geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit zu tun?

Phänomen synaptisches Beschneiden

Mit zunehmendem Alter ist das Phänomen des synaptischen Beschneidens oder der sogenannten Synapseneliminierung zu beobachten. Der Grundgedanke dahinter ist, dass das Gehirn die Verbindungen zwischen den Nervenzellen, die Synapsen, welche nicht genutzt werden, wegschneidet. Der Fokus liegt darauf, Verbindungen die häufig in Anspruch genommen werden zu verstärken.

Wenn Sie zum Beispiel 10 Jahre lang täglich Gitarre spielen, dann wird Ihr Gehirn die Verbindungen zwischen diesen musikalischen Neuronen verstärken. Je mehr Sie spielen, desto stärker werden die Verbindungen. Und nicht nur das: die Verbindungen werden mit jeder Übungsstunde, schneller und effizienter. Das führt im Endeffekt dazu, dass Sie immer besser werden und es Ihnen leichter fällt Ihre Fähigkeiten auszudrücken.

Haben Sie sich vielleicht auch schon gefragt, wie Keith Richards, Gitarrist bei den Rolling Stones, mit seinen 76 Jahren und Arthrose in den Händen nach wie vor so gut Gitarre spielen kann? Die einfache Erklärung: er tut dies regelmässig seit 60 Jahren. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jemand der noch nie Gitarre gespielt hat, nicht über die entsprechenden Verbindungen im Gehirn verfügt. Dieses beschneidet infolgedessen diese ungenutzten Synapsen und verteilt seine Energie auf den Aufbau von Verbindungen für andere Fertigkeiten.

Anhand dieses Beispiels wird der Unterschied der Forschungsergebnisse untermauert. Das Gehirn eines Neugeborenen ist quasi wie eine leere Leinwand. Alles ist möglich, aber die Verbindungen sind noch nicht stark ausgeprägt. Im Laufe des Lebens prägen sich einige Verbindungen stark aus während andere hingegen wegschnitten werden.

Synaptische Beschneidung und der Aufbau neuer Gewohnheiten

Jede Gewohnheit, die Sie aufbauen, stärkt das neuronale Netzwerk Ihres Gehirns. Dadurch wird Ihr gegenwärtiges Verhalten durch stetige Wiederholung, ähnlich dem Gitarre spielen, mit jedem Mal stärker und effizienter. Sie haben wahrscheinlich sehr starke Gewohnheiten und Verbindungen, die Sie jeden Tag als selbstverständlich hinnehmen. Ihr Gehirn erinnert sich jeden Morgen daran, zu duschen, sich nach dem Aufstehen eine Tasse Kaffee zu kochen oder die Vorhänge zu öffnen, wenn die Sonne aufgeht. Der springende Punkt dabei ist, dass Sie sich diese starken Verbindungen zunutze machen können, um sehr effizient neue Gewohnheiten zu etablieren.

Aus Alt mach Neu

Die einfachste Art neue Gewohnheiten zu erlernen ist, sich seine alten Gewohnheiten zunutze zu machen. Identifizieren Sie eine aktuelle, tägliche Gewohnheit und koppeln Sie Ihr neues Verhalten einfach daran an. Die neue Gewohnheit wird somit nicht mit einer bestimmten Zeit oder einem Ort in Verbindung gebracht, sondern mit einer bereits etablierten Routine. Diese Methode, die von BJ Fogg als Teil seines Programms »Tiny Habits« entwickelt wurde, kann verwendet werden, um für fast jede Gewohnheit einen offensichtlichen Auslöser zu kreieren.

Die Formel zur Kopplung von Gewohnheiten lautet:

Nach/vor [BESTEHENDE GEWOHNHEIT], werde ich [NEUE GEWOHNHEIT] tun.