Schwarz oder Weiß – welchen Wolf füttern Sie?

Viele denken, dass Gefühle durch das ausgelöst werden, was uns gerade passiert. Zum Beispiel Verärgerung, wenn die Bahn wieder einmal auf sich warten lässt und man im Regen stehen muss. Dabei entstehen Gefühle durch unsere Bewertung einer Situation und durch unsere Gedanken dazu. Das heißt: In der vollkommen gleichen Situation können zwei verschiedene Menschen komplett unterschiedliche Gefühle entwickeln. Während der eine sich freut, dass er jetzt überprüfen kann, ob seine Schuhe wirklich wasserfest sind, denkt der andere, wie ärgerlich es doch ist, hier im Regen zu stehen. Es ist zu 100% unsere Entscheidung, wie wir denken – hierzu eine inspirierende Geschichte…

Ein warmer und friedlicher Spätsommerabend neigt sich dem Ende entgegen. Ein alter Indianerhäuptling sitzt mit seinem Enkel am Lagerfeuer. Langsam wird es dunkel, die Sonne versinkt und die Bäume um sie herum beginnen, schaurige und bizarre Schatten im Licht des Feuers zu werfen. Gierig züngeln die Flammen gen Himmel und der Großvater blickt nachdenklich ins Feuer. Dann ergreift er das Wort: «Das Licht und die Dunkelheit sind wie die beiden Wölfe, die in unserem Herz wohnen.»

Wer gewinnt den endlosen Kampf?

Sein Enkel blickt auf und sieht ihn fragend an. Nach einer Weile des Schweigens beginnt der alte Indianerhäuptling ihm eine Geschichte zu erzählen: «In jedem von uns wohnen zwei Wölfe – ein weißer und ein schwarzer. Beide ringen seit Urzeiten um die Vorherrschaft in uns und damit in der Welt und dieser Kampf wird nie enden. Der schwarze Wolf steht für all die dunklen Seiten. Er arbeitet mit Angst, Ärger, Sorgen, Schuld, Lügen, Unterdrückung, Vorurteilen, Eifersucht, Neid, Gier, Überheblichkeit, Arroganz, Feindschaft und Hass. Er ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der weiße Wolf, steht für die hellen Seiten. Er nutzt Vertrauen, Aufrichtigkeit, Offenheit, Wohlwollen, Güte, Verständnis, Mitgefühl, Freundschaft, Rücksicht, Hoffnung, Großzügigkeit, Wahrheit und Freude. Dieser Wolf ist liebevoll, sanft und mitfühlend.»

Der Enkel schaut nachdenklich in das auflodernde Feuer. Funken steigen in den sternenklaren Nachthimmel und bis auf das Knistern der Flammen ist nichts zu hören. Nach einer langen Weile fragt er: «Welcher der beiden Wölfe wird gewinnen, Großvater?»

Der alte Indianer sieht ihn eindringlich an und antwortet: «Es gewinnt der Wolf, den du am häufigsten fütterst!»

Sind Sie ein schwarzer oder weißer Führungswolf?

Aus der Perspektive der Führungskraft finde ich diese kurze Geschichte sehr inspirierend. Denn viele Führungskräfte stehen häufig vor der Herausforderung, eine Entscheidung treffen zu müssen, und es fällt ihnen schwer zwischen dem schwarzen und dem weißen Wolf zu wählen. Doch nicht nur bei Entscheidungen – auch im Umgang mit Mitarbeitenden, mit schwierigen Kunden, mit anstrengenden Lieferanten, kämpferischen Peers auf Führungsebene oder mit einem genervten Partner zu Hause – manchmal scheint es nicht angebracht, die Attribute des weißen Wolfs zu wählen. Dennoch ist das Motto «nicht immer, aber immer öfter» eine Richtschnur, die außergewöhnliche Führungskräfte auszeichnet. Bedenken Sie, dass bereits Gedanken und Empfindungen zu subjektiven Wahrnehmungen, Vorstellungen, Standpunkten und einer Version der Realität werden. Unsere Wahrnehmung wird zu Worten und diese wiederrum zu Handlungen und Taten. Wiederholte Handlungen werden zu Gewohnheiten, die den Charakter prägen – und dieser ist letztlich dafür verantwortlich, wie wir leben. Wir sollten also weise entscheiden, welchen Wolf wir füttern.

Wie erleben Sie den Kampf der beiden Wölfe in Ihrem Führungsalltag? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihre Gedanken dazu mit mir teilen.